30 Tage nur foodsharen


09.06.17 - Tobias

Im Selbstversuch „Foodsharing“ habe ich versucht mich 30 Tage von „geteiltem Essen“ zu ernähren. Das Ziel war es, mich zum größten Teil von Foodsharing zu ernähren und möglichst wenig Lebensmittel kaufen zu müssen.

 

Aber was ist Foodsharing überhaupt?

 

„Foodsharing“ will gegen das Problem der Lebensmittelverschwendung ankämpfen.
Bäckereien, Supermärkte und andere Betriebe werfen viele genießbare Lebensmittel nach Ladenschluss einfach in den Müll. Die Kunden erwarten, dass die Backwaren und das Gemüse immer frisch sind und so landen die noch genießbaren Brötchen vom Vortag einfach im Müll. Foodsharing ist eine Initiative aus Ehrenamtlichen, welche diese Lebensmittel vor dem Müll retten wollen.

 

2.700 Betriebe kooperieren schon mit den über 20.000 Ehrenamtlichen.

 

Und wie funktioniert das jetzt? Werden die Lebensmittel aus dem Müll gefischt?

 

Organisiert wird alles über die Webseite von Foodsharing e.V..

Der Verein ist deutschlandweit aktiv und vor allem in größeren Städten gut organisiert. Es gibt verschiedene Aufgaben im Verein:

Der Foodsaver geht an die kooperierenden Betriebe und rettet dort die Lebensmittel vor dem Müll. Er kann sich über die Webseite für einen passenden Termin anmelden und bekommt so alle Informationen zur Abholung im Betrieb. Diese Lebensmittel werden vom Betrieb meist separat gelagert und landen keinesfalls im Müll!

 

Die geretteten Lebensmittel werden dann an die Foodsharer verteilt. Der Foodsaver kann die Lebensmittel im Bekanntenkreis verteilen, Essenskörbe zur Abholung anbieten oder die Lebensmittel an sogenannte FairTeiler bringen. FairTeiler sind öffentlich zugängliche Schränke oder Kühlschränke, in denen die Lebensmittel gelagert werden können.

 

Als Foodsharer kann man entweder an die FairTeiler gehen und dort Lebensmittel abholen oder Essenskörbe einstellen oder abholen. Über die Webseite wird man ständig auf dem Laufenden gehalten.

 

Was muss ich tun, um Foodsaver oder Foodsharer zu werden?

Foodsharer kannst du ganz einfach werden! Du kannst dich über die Webseite einfach und schnell anmelden und siehst sofort, wo Essenskörbe oder FairTeiler stehen. Du kannst aber auch selbst Essenskörbe einstellen falls du beim Supermarkteinkauf mal zu viel gekauft hast.

 

Die Anmeldung zum Foodsaver ist etwas schwieriger. Da nicht alle Betriebe öffentlich zeigen wollen, dass sie Foodsharing unterstützen, darf nicht jeder Foodsaver werden. Dazu musst du erst ein Quiz bestehen. Für den Foodsaver-Ausweis, den man bei den Betrieben vorzeigen muss um die Lebensmittel abzuholen, muss man ein Bild sowie seine persönlichen Daten eintragen.

 

Nach drei Einführungsabholungen mit einem weiteren Foodsaver kann man sich über die Webseite bei Betrieben seiner Wahl anmelden und selbst Lebensmittel retten!

 

Beginn des Selbstversuchs:

 

Über den Zeitraum von einem Monat nehme ich mir vor, mich von Foodsharing zu ernähren und so wenig Lebensmittel wie möglich einzukaufen. Dazu habe ich mich bei Foodsharing e.V. als Foodsharer angemeldet. Die Lebensmittel versuche ich durch Essenskörbe, FairTeiler und anderen Kontakten zu bekommen. Außerdem versuche ich zu einer Abholung mit einem Foodsaver zu gehen, um die Abläufe beim Lebensmittelretten im Betrieb mitzubekommen.

 

Ich wohne unter der Woche in Stuttgart, wo das Foodsharing Netzwerk schon gut ausgebaut ist. Essenskörbe sind aber eher selten und oft weit entfernt, daher werde ich eher FairTeiler und den Kontakt zur Kollegin im Büro nutzen. Sie ist selbst aktiv bei Foodsharing und ist Foodsaverin.

 

Vor dem Selbstversuch lagen meine wöchentlichen (5 Tage) Ausgaben für Lebensmittel bei ungefähr 20 bis 30 Euro. Wie sich die Ausgaben verändern werden während des Selbstversuchs, werde ich auch dokumentieren. Der Selbstversuch startete am 24. April.

 

Die erste Woche:

 

Schon zu Beginn des Versuchs musste ich feststellen, dass es nicht so einfach ist wie ich es mir vorgestellt habe. Ich musste einsehen, dass ich mich nicht komplett von Foodsharing ernähren kann. Doch ich habe vorwiegend gerettetes Essen aus den FairTeilern genommen. In Stuttgart gibt es insgesamt sechs solcher FairTeiler, welche mehr oder weniger gut mit den Öffentlichen erreichbar sind.

 

Ich habe den Vorteil, dass ein FairTeiler nicht weit von meinem Arbeitsweg entfernt ist. Die FairTeiler sind für jeden zugänglich und immer sauber gewesen. Über die Webseite erhält man Nachrichten, ob und wann die FairTeiler befüllt wurden und was drin ist. Das Problem: Man weiß nicht, ob noch etwas da ist oder schon alles weg ist.
Es kam tatsächlich auch schon einmal vor, dass zwei Stunden nach Befüllung der Schrank schon wieder komplett leer war. Meistens findet man in den Schränken aber schon etwas, was einem schmeckt. Vor allem an Backwaren ist sehr viel vorhanden, schätzungsweise über 50 %. Dann findet man auch noch einiges an Gemüse und etwas Obst, aber auch etwas länger haltbare Produkte wie Mehl sowie auch abgepackte Sachen und sonstige Produkte (beispielsweise Tortenaufguss oder Soßenpulver).

 

Was man allerdings gar nicht findet ist Fleisch. Die meisten FairTeiler bestehen nur aus Schränken und nur wenige haben einen zusätzlichen Kühlschrank, weshalb man keine Produkte findet, die gekühlt werden müssen.


Ich konnte mir in dieser Woche das gesamte Mittagessen sparen. Durch belegte Brötchen und Salate vom Foodsharing musste ich dafür nichts mehr ausgeben. Allerdings reichen die Sachen vom Foodsharing nicht, wenn man eine gesamte Mahlzeit kochen will. Es fehlt dann doch immer irgendwas, was man dazu kaufen muss.

 

Für den Nachtisch oder zum Vesper reicht es allerdings gut aus.
Brötchen mit gerettetem Brotaufstrich (Pfirsichmarmelade und Senf-Dill-Aufstrich), welche sogar Bio-Qualität hatten, gab es oft zu Mittag. Als Nachtisch noch ein süßes Stückchen vom FairTeiler und man war auch gut satt. Amerikaner und Schokobrötchen vom Bäcker findet man nicht selten.
Das Foodsharen über den FairTeiler hat irgendwie etwas Spannendes. Jedes Mal wenn man den Schrank öffnet, weiß man nicht was man bekommt. Es kann sein, dass man nur alte Brote bekommt, aber es kann auch sehr frisches Obst drin sein. Einmal waren sogar Erdbeeren vorhanden, welche sich super als Nachtisch gemacht haben. Auch Kopfsalat und Karotten wurden zu Salat gemacht.
In der Woche habe ich deutlich weniger ausgegeben als gewöhnlich. Ich habe fast nur noch die Hälfte an Geld ausgeben, von diesem Geld habe ich vor allem Fleisch und Milchprodukte gekauft.

 

Woche 2:

 

Leider war die Motivation in dieser Woche nicht mehr so groß. Durch mehr anfallende Arbeit und mehr Faulheit, habe ich diese Woche weniger gefoodshared und mehr eingekauft. Anfangs der Woche waren die FairTeiler nicht gut befüllt und dann hat mich die Motivation verlassen weiter dran zu bleiben. Die FairTeiler habe ich nur 2-Mal diese Woche besucht mit mäßigem Ergebnis: Ein Baguette, Schokolade, 3 Zwiebeln und eine Packung Walnüsse.

 

Zum Glück hat meine Kollegin von ihrer Abholung einiges mitgebracht! Sie war foodsaven beim Bäcker und hat dort viele belegte Brote, Brötchen und süße Stückchen mitgebracht. Als sie von ihrer Abholung erzählt hat, war ich echt erstaunt. In der Bäckerei waren Kisten über Kisten von alten Backwaren. Eine riesige Menge an Essen, was eigentlich im Müll gelandet wäre. Es war echt schockierend, dass die einige Stunden alten Brezeln und Wecken einfach weggeworfen werden, obwohl diese auch noch nach einigen Tagen gut und frisch waren.

 

Leider habe ich in dieser Woche wieder etwas mehr ausgegeben. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich trotz Foodsharing einfach mehr gegessen habe.

 

Woche 3:

 

In der dritten Woche war die Ausbeute bei den FairTeilern wieder besser und auch die Kollegin hat wieder einiges mitgebracht.

Ich habe aber auch gemerkt, dass man beim Foodsharing doch nicht die frischesten Lebensmittel bekommt. Es sind halt auch viele Produkte schon nah an oder über dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Ich musste deshalb auch schon ein paar Sachen wegwerfen, weil sie angefangen haben zu schimmeln. Am besten sollte man die gesharten Lebensmittel schnell aufbrauchen und nicht tagelang rum liegen lassen wie bei mir. Vor allem Gemüse und Obst waren bei mir das Problem: Die Tomaten wurden matschig und leicht schimmlig.

 

In dieser Woche waren meine Ausgaben sehr gering. Ich habe sehr wenig zusätzlich kaufen müssen. Allerdings hatte ich auch noch sehr viele haltbare Lebensmittel wie Reis und Nudeln bei mir zu Hause, welche ich dann nicht zusätzlich kaufen musste.

 

Woche 4:

 

Die letzte Woche meines Selbstversuchs hat ein positives Ende genommen. Die Kollegin hat wieder bei einem Supermarkt Lebensmittel gerettet und das ganze Büro mit Essen versorgt. Das Essen war dieses Mal richtig lecker und sogar Bio.

 

Einerseits war ich gut eingedeckt mit Lebensmitteln von der Arbeit, andererseits war ich auch etwas faul und habe mir den Weg zum FairTeiler diese Woche gespart.

 

Trotzdem habe ich einiges einsparen können und auch nur die Hälfte an Geld diese Woche ausgeben müssen.

 

Mein persönliches Fazit des Selbstversuchs:

 

Das Foodsharing ist eine gute Sache und man kann dadurch durchaus gut Geld sparen!

 

Die Lebensmittel, welche die Bäckereien und Supermärkte wegwerfen, sind lange nicht schlecht oder nicht genießbar, sondern einfach etwas älter oder optisch nicht mehr so ansprechend. Foodsharing ist eine tolle Möglichkeit der Wegwerfgesellschaft und Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken.

 

Man hat die Möglichkeit sich unterschiedlich stark einzubringen: Ob man nun als Foodsharer nur an die FairTeiler geht, Essenskörbe abholt oder man als Foodsaver tatsächlich Lebensmittel in Geschäften rettet. Den Einstieg vereinfacht es einem natürlich, wenn man schon Kontakte zu anderen Foodsharern und –savern hat wie bei mir. Aber auch Neulingen wird der Einstieg in das Foodsharing durch die Webseite, die lokalen Facebook-Gruppen oder Veranstaltungen ermöglicht.

 

Ich persönlich werde weiter am Foodsharing dran bleiben und möchte auf jeden Fall meine Kollegin bei einer Abholung begleiten. Allerdings war dies bisher noch nicht möglich, da normalerweise keine externen Leute mitgehen dürfen, ohne einen Foodsaver-Ausweis zu haben. Ich hoffe aber, dass es in einem kleineren Geschäft mal möglich sein wird.

 

Ich werde bestimmt ab und zu mal wieder beim FairTeiler vorbei schauen und durch die Kollegin auch einiges an geretteten Lebensmitteln bekommen. Allerdings bin ich noch sehr unentschlossen, ob ich tatsächlich mal Foodsaver werde, da es doch ein großer Aufwand ist.